Tattoo Geschichte

Tattoo – Geschichte

 

Samuel O´Reilly (starb 1908)

 

O´Reilly war der Erfinder der modernen Dreh – Tattoo – Maschine, die er 1891 patentieren ließ. Die Tat – Machine war ein Gerät, das eigentlich zum gravieren von Gegenständen gedacht war. Die auf der Drehtechnologie von Thomas A. Edison basierte. O´Reilly baute die elektrisch betriebene Maschine zum Farbe unter die Haut stechen um. Die mittels Magnet eine Sprungfeder anzog und wieder los ließ. Diese Bewegung wurde in Form einer Auf- und Ab- Bewegung, auf die Nadel übertragen wurde. Und meldete sie unter den Namen Stencil – Pen zum Patent an. 1875 eröffnete O´Reilly in New Yorker sein Studio und bildete Charlie Wagner aus. 1908 fiel Samuel O´Reilly beim streichen seines Hauses von der Leiter und starb.

Charlie Wagner (1875 – 1953)

 

1904 ließ Wagner seine Maschine mit 2 in vertikaler Position ausgerichtet Spulen, das heißt, in Übereinstimmung mit der Tubusbaugruppe, patentieren.

Was eine wesentliche Verbesserung der Maschinenkonstruktion aufwies, dieses zählt noch heute bei den meisten Maschinen zum Standard.

In einem Brief von Wagner schrieb er: „Irgendwann werden Sie, alle nur noch meine Maschinen kaufen, da ich das einzige US-Patent für Tätowieren Maschinen und elektrische Geräte, des US-Patentamts besitze.“ Dieser Brief wurde mit: „Ich bleibe Prof. Chas. Wagner, 208 Bowery, New York City“ Unterzeichnet.

1929 soll Wagner ein kleines Vermögen an der Wallstreet verloren haben, er rappelte sich aber wieder auf, bis er dann im Jahre 1953 verstarb.

Christian Warlich (1890 – 1964)

 

Warlich gilt noch heute als der „König und Gentleman unter den Tätowierern“, der mit seiner Art und seinem Fachwissen etliche Generationen nach ihm tief prägte.

 

Christian-Warlich war der erste berufliche Tätowierer Deutschlands. Darüber hinaus arbeitete er auch als Erster in Deutschland mit einer elektrischen Tätowiermaschine. 1890 geboren, fuhr das Hamburger Urgestein mehrere Jahre zur See, wo er die ersten und mitunter wichtigsten Schritte in seiner Tätowierer – Laufbahn unternahm. Auf etlichen seiner Kameraden verewigte sich Christian in einem Stil, den wir heute Oldschool nennen. Klare Linien und minimalistische Darstellungen waren zur damaligen Zeit das Maß aller Dinge. Bereits 1919 eröffnete in der Kieler Straße auf St. Pauli eine kleinere Kneipe mit einem extra abgeteilten Bereich, dem sogenannten Atelier moderner Tätowierungen . Von den Kunden mitgebrachte Plakate und Bilder dienten Christian anfangs als Inspirationsquelle, doch schnell entwickelte er seine ganz eigenen Tattoo-Vorlagen und die Freunde dieser für Deutschland recht neuen Hautkunst kamen in Scharen in die Hansestadt. Vor allem aber waren es natürlich die vielen Seeleute, die sich bei Christian-Warlich die Türklinke in die Hand gaben und seinen Namen, zusammen mit seiner Hautkunst, hinaus in die Welt trugen.

 

Als Gentleman-Tätowierer galt er, weil Christian stets gut gekleidet, mit Anzug und Fliege, tätowierte. Er legte ohnehin immer großen Wert auf ein gepflegtes Äußeres und so scheint es auch nicht verwunderlich, warum er nie Hände oder Gesichter der Kunden tätowierte. Egal wo auf dem Körper – Christian platzierte außergewöhnliche Tätowierungen, doch im Alltag sichtbare Stellen waren für ihn tabu. Dabei setzte er sich sein Leben lang für die Anerkennung der Tätowierungen als Kunst ein. Seine hervorragenden Kontakte in alle Welt, vor allem aber Amerika, verschafften Christian eine Zeit lang das Monopol auf den Erwerb und Weiterverkauf von elektrischen Tätowiermaschinen. Diese wurden dann meist an ihm wohlgesonnene Kollegen weitergereicht, aber auch an Klinik-Abteilungen, die das Überdecken von OP-Narben zum Ziel hatten. Christian-Warlich stand oft Ärzten mit Rat und Tat zur Seite.

 

Am 27. Febr. 1964 verstarb Christian Warlich plötzlich und unerwartet an einem Gehirntumor; in seinem Tattoo-Atelier, während der Arbeit, die er so sehr liebte.

 

Mit sich nahm er auch sein Rezept zu einer „geheimen“ Tinktur, die es ermöglichte Tätowierungen zu entfernen, ohne zu operieren.

In seiner über vier Jahrzehnte andauernden Berufslaufbahn tätowierte Christian mehr als 50.000 Kunden, darunter auch viele Prominente. Sogar die Prinzen Axel und Vigo aus dem dänischen Königshaus , zählten zu seinen zufriedenen Kunden. Heute gilt Christian-Warlich als der Urvater der deutschen Tätowierer, als Wegbereiter und Galionsfigur

Herbert Hoffmann (1919 – 2010)

 

Hoffman galt schon zu Lebzeiten als Legende, da er zu der Zeit der älteste, noch aktive Tätowierer der Welt war. Bevor er nach 60 Jahren des Tätowierens, am 30.Juni 2010 in Appenzell (Schweiz) verstarb.

 

Der Anker, der über die Jahre zu seinem Markenzeichen geworden war wurde von Hoffmann tausende male von Ihm gestochen.

 

Hoffmanns Lebensgeschichte ist untrennbar mit Leidenschaft für Tätowierungen verbunden und war prägend für die deutsche Tattoo – Szene.

 

Hoffmann kam im Jahre 1919 als Sohn eines Fleischermeisters in Stettin zur Welt und wuchs behütet in einer kinderreichen und strengen, aber wohlhabenden Handwerkerfamilie auf. Der nach strikt puritanischen Grundsätzen erzogene Herbert bewunderte schon früh die Tätowierungen der einfachen Arbeiter, die er mit Fleiß und Rechtschaffenheit assoziierte.

Wegen des Tätowierverbots im Dritten Reich kam Herbert-Hoffmann erst nach der Rückkehr aus vierjähriger russischer Kriegsgefangenschaft im Alter von dreißig Jahren zu seinem ersten eigenen Tattoo.

Seit 1951 arbeitete der gelernte Kaufmannsgehilfe als Amateurtätowierer. Von seinem Freund und väterlichen Vorbild Christian-Warlich, dem König der Tätowierer, wurde Herbert Hoffmann sogar zum Kronprinzen gekürt. 1961 übernahm er den Laden eines ehemaligen Schrotthändlers auf der Hamburger Reeperbahn. Sein Geschäft nannte er die „Älteste Tätowierstube Deutschlands“ und machte es zu einem berühmten Laden innerhalb Europas: Hamburg, St. Pauli, Hamburger Berg 8.

Zu seinen Kunden zählten neben Seeleuten und Hafenarbeitern auch einige prominente Persönlichkeiten, die den exotisch-anrüchigen Ort auf St. Pauli nur heimlich besuchten. Herbert Hoffmann hat viele von ihnen nicht nur tätowiert, sondern auch fotografiert und ihre Lebensgeschichte aufgezeichnet.

 

1960 wollte Herbert-Hoffmann bereits sein erstes Studio in Düsseldorf eröffnen, doch die Bürokratie kam ihm in die Quere, denn es folgte eine Ablehnung der Gewerbeerlaubnis mit der Begründung, Tätowieren sei kein Beruf.

1961 siedelte Herbert nach Hamburg über und übernahm dort das Tattoostudio von Paul-Holzhaus am Hamburger Berg in St. Pauli. Christian-Warlich, der König der Tätowierer, weiht ihn zum Kronprinzen. Nach dessen Tod 1965 führt Herbert die älteste Tätowierstube in Deutschland. Seine sympathische, ehrliche und zuverlässige Art machten das Tattoostudio schnell erfolgreich und überall bekannt. Lange Zeit blieb es das einzige Tattoostudio in ganz Deutschland. In der Zeit von 1950 bis 1990 tätowierte Herbert schätzungsweise 40.000 bis 50.000 Menschen, etwa 400 tätowierte Menschen porträtiert er, wobei eine in der Tattoo-Szene einzigartige Sammlung von fast 3.000 Schwarzweiß- und Farbfotos entsteht. »Meinen tätowierten Vorbildern habe ich alles zu verdanken, was ich geworden bin. Zum einen selbst Tätowierter, wie ich es mir immer gewünscht hatte, und dann noch ein guter, erfolgreicher Tätowierer. Für mich gibt es keine Arbeit und keinen Beruf, in dem ich hätte glücklicher sein können.«

Seit 1981 lebte Herbert eigentlich im Ruhestand in der Schweiz. »Er wohnte in Heiden (Schweiz), besuchte Tattoo-Messen in ganz Europa, galt als lebende Legende, als Pionier der Tätowiergeschichte. »Wenn ich auf mein Leben zurückblicke, dann komme ich zu dem eindeutigen Resultat: Ich habe richtig gehandelt, dass ich mit Mutter Natur gelebt und mich nicht gegen sie gestemmt habe. Hätte ich aus angeblicher Rücksicht auf meine Umgebung oder aus ängstlichem Kleinmut meine Tätowierlust unterdrückt, so wäre ich zeitlebens unglücklich gewesen. Seit ich tätowiert bin, ist mein Leben schön und sinnvoll.«

 

Von Hoffmann spricht man noch heute als dem ältesten Tätowierer der Welt. Er genoss in ganz Europa allerhöchstes Ansehen. Auf den unterschiedlichsten Tattoo-Veranstaltungen rund um den Globus ist Herbert stets ein gern gesehener Gast gewesen. Herbert hatte sich wie kaum ein zweiter um das Wohl des Tätowierkunstwerkes bemüht, und ihm gebührte ein ganz besonderer Platz in der Hall-of-Fame.

Hier findet man ihn neben Tattoo-Größen, wie Christan-Warlich, Horiyoshi-III oder Tattoo-Theo, die sich ebenfalls um die Tattoo-Szene verdient gemacht haben.

Sailor Jerry – Norman Keith Collins (1911 – 1973)

 

 

Die amerikanische Tattoo-Größe Sailor Jerry lebte von 1911 bis 1973. Er war einer der ersten Tätowierer, die den japanischen Style mit dem westlichen Tattoo Style zusammenfügte. Nach ihm wird ein noch heute hergestellter Rum benannt.

 

Mit richtigem Namen hieß Sailor Jerry Norman Keith Collins . Er wurde in Reno, Nevada am 14.01.1911 geboren. Sein großer Lehrmeister in Sachen Tätowierung war Thomas Tatts. Nachdem er die Grundlagen des Tätowierens erlernt hatte, zog er durch das ganze Land und tätowierte wo es nur ging, um sich weiterzubilden.

 

Als er mit 19 Jahren zur Marine ging, verschrieb er sich immer mehr der Kunst, insbesondere, als er Bilder und Zeichnungen aus Südostasien fand. Bald ließ er sich auf Hawaii nieder. Seine Vorlagen bestanden aus einer Mischung aus traditionellen westlichen Motiven, vereint mit den Schattierungen und den Details bekannter Tattoo-Meister aus Japan. Durch seinen ständigen Drang nach Perfektion und ideenreicher Entwicklungsarbeit gelang es ihm, die besten Teile der westlichen Tätowierkunst mit den besten Teilen der japanischen Tätowierkunst zu vereinen, wofür er sich stets neue Tätotwiertechniken einfallen ließ.

 

Sailor war aber nicht nur ein begnadeter Tätowierer und ein Meister für außergewöhnliche Tattoo-Vorlagen. Er war auch genial im Bau von Tätowier Maschinen und anderen Geräten. So war er für die Einführung der Sterilisation verantwortlich. Viele seiner Vorlagenbücher werden noch heute von wissbegierigen jungen Tätowierern gekauft, und seine Motive werden immer noch in den Unterschiedlichsten Varianten tätowiert.

 

Damit zählt Sailor Jerry zu den wichtigsten Tätowierern, die auf die Tattoo-Szene einen enormen Einfluss ausgeübt haben. Der inzwischen weltbekannte Ed Hardy war zusammen mit dem ebenfalls bekannten Mike Malone Schüler bei Sailor Jerry. Dieser vermittelte seinen beiden Schützlingen seine Kunst und machte sie damit ebenfalls zu Tattoo-Ikonen, so wie Sailor Jerry eine ist.

Ron Ackers

 

Ron Ackers ist der Name eines legendärer britischen Tätowierers. Mit 14 Jahren stach ihm Bill Stokes sein erstes Tattoo. Ron Ackers ließ sich von Tattoo-Ikonen wie Lyle Tuttle, Herbert Hoffmann oder Don Ed Hardy inspirieren und brachte seinerzeit einen frischen Trend in die britische Tattoo-Szene. Er gründete 1963 auf den britischen Inseln den „Nord Western Tattoo Club“.

 

Geboren 1932 in Ellesmere Port (Großbritannien), darf Ron Ackers zu Recht als britische Tätowier-Legende angesehen werden. Den Grundstein legte offenbar sein Onkel Stan, ein Handelsmarine-Matrose, der mit seinen Flashs das Interesse des Jungen weckte. Als 13-Jähriger begann Ron Ackers sein Handwerk mit spitzem Bleistift, den er mit der Zunge befeuchtete und damit seinen Schulkameraden Bilder in die Haut pickerte. Sein Honorar dafür: Zigarettenmarken und bunte Glasmurmeln.

Mehr kassierte Ron für seine künstlerischen Aktivitäten an seinen Schulfreuden allerdings vom eigenen Vater: nämlich Ohrfeigen, dass es nur so schepperte! Doch auch die änderten Rons Besessenheit für seine Vorliebe in keiner Weise.

Im Gegenteil: 1946 ließ sich der damals erst 14-Jährige vom 80-jährigen Bill Stokes aus Chester sein erstes Piece (Tattoo) stechen. Es war ein Herz mit einer Schriftrolle. Darin stand der Name seiner Schwester Daisy. Allen, die darin eine Straftat sehen sollten, sei gesagt, dass es das damals veraltete viktorianische Gesetz allen ab dem neunten Lebensjahr erlaubte, sich tätowieren zu lassen.

 

Noch während Bill Stokes an Rons erstem echten Tat werkelte, stand für den jungen Tattoo-Fan fest: Ich werde Tätowierer. Ein Vorhaben, das schon wenige Jahre später zur Realität wurde, denn als Bill Stokes sich zur Ruhe setzte, übernahm Ron einen Großteil seiner Gerätschaften, insbesondere Tattoo-Maschinen und lernte autodidaktisch, wodurch sein naturveranlagtes Talent zum Tattoo-Zeichner voll zum Durchbruch kam.

Im Anschluss an seine Wehrdienstzeit (in der er natürlich seinen Kameraden eine Tätowierung nach der anderen unter die Haut brachte) eröffnete er in Chester seinen eigenen und ersten Tattoo-Shop. Sein Tattoo-Studio hieß „Seefahrer“.

Ron siedelte zwei Jahre später in die Hafenstadt Rhyl um, wodurch es letztendlich zu Kontakten zu weiteren Tattoo-Künstlern seiner Zunft kam. Zum Beispiel zu Sailor Jerry Collins (Honolulu), Les Skuses (Bristol), Doc Forbes und Lyle Tuttle (USA). Lyle Tuttle zeigte Ron Ackers in den Staaten die dortigen fortschrittlicheren Arbeitsweisen und Gerätschaften.

Zurück auf der britischen Heimatinsel gründete Ron Ackers 1963 den „Nord Western Tattoo Club“, fühlte sich aber dennoch (arbeitsmäßig) nicht befriedigt. Hinzu kam ein Unglück, bei dem 1965 ein Mann quasi unter seiner Nadel an einem Herzinfarkt starb. Ron wollte damals seinen Beruf als Tätowierer und damit das Tätowieren ganz an den Nagel hängen.

Dann hörte er (zum Glück) davon, dass in Deutschland die Tätowierkunst weitestgehend ein Aschenputtel-Dasein führte und die in Deutschland stationierten britischen Soldaten so gut wie keine Gelegenheit hätten, sich (fachmännisch) tätowieren zu lassen. Das war für Ron Anlass und Ansporn: Sofort verschaffte er sich ein mobiles Tattoo-Studio und schon bald begann er in Deutschland zu tätowieren, indem er von Kaserne zu Kaserne reiste. Während dieser Zeit traf er auch auf die deutsche Tattoo-Persönlichkeit Herbert Hoffmann.

 

Später, als Ron wieder auf britischem Boden agierte, war auf der Insel die Tattoo-Szene, vom künstlerischen Blickwinkel her betrachtet, sozusagen auf dem Nullpunkt angelangt. Die Handvoll Tätowierer taten aber auch rein gar nichts daran, aus dieser Talsohle wieder emporzukommen, sondern beließen es fast ausschließlich bei den Traditional-Motiven.

Mit den von Don Ed Hardy in den USA erworbenen künstlerischen Ambitionen und Inspirationen sorgte Ron Ackers nicht nur für frischen Wind in Englands Tätowier-Studios, sondern beflügelte die gesamte britische Tattoo-Szene regelrecht und von Grund auf neu. Ein Wandel, der sich bis heute nachverfolgen und nachvollziehen lässt.

Buchtipp: Ron Ackers, Tattoo Artist, Paul Pomp Verlag, Bottrop 1998